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Zeitlichkeit und Geschichtlichkeit

zum Problem des prozessualen apriori bei Edmund Husserl

Ernst Wolfgang Orth

pp. 27-38

Wenn wir hier vom Problem des Apriori — auch des sogenannten geschichtlichen Apriori — bei Husserl handeln, müssen wir uns an eine Warnung erinnern, die Husserl schon in den "Ideen I' von 1913 hinsichtlich des Verständnisses seiner Grundbegriffe ausgesprochen hat. Nicht nur das "Wort Phänomenologie und seine Ableitungen sind vieldeutig" (Hua III, S. 73), so sagt Husserl. Das gilt nach ihm auch für ihre leitenden "Ausdrücke", vor allem beispielsweise für den mit "apriori' vergleichbaren Terminus "transzendental'. Deshalb fordert Husserl — was geradezu naiv anmutet —, daß solche Ausdrücke "ausschließlich gemäß dem Sinne verstanden werden müssen, den ihnen unsere Darstellungen vorzeichnen, nicht aber in irgend einem anderen, den die Geschichte oder die terminologischen Gewohnheiten dem Leser nahelegen" (Hua III, S. 74). Noch in den "Cartesianischen Meditationen' benutzt Husserl in diesem Sinne — relativierend — den Terminus "apriori': das "Ego" habe "mit den Altvordern zu reden" "ein ungeheures eingeborenes Apriori" (Hua I, S. 28). Husserl meint mit diesem Apriori wie in den "Ideen I' (vgl. Hua III, S. 74 f.) zunächst die "Ideation", die Struktur von am Faktum und Phänomen herauslesbaren Wesenszügen oder "Wesensgesetzen" (Hua I, S. 28).

Publication details

DOI: 10.1007/978-94-015-9446-2_2

Full citation [Harvard style]:

Orth, E.W. (2000)., Zeitlichkeit und Geschichtlichkeit: zum Problem des prozessualen apriori bei Edmund Husserl, in O. K. Wiegand, R. J. Dostal, L. Embree, J. Kockelmans & J. N. Mohanty (Hrsg.), Phenomenology on Kant, German idealism, hermeneutics and logic, Dordrecht, Springer, pp. 27-38.

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